Weißgelbe oder hellbraune Verfärbung bei Eiben im April 2020

Den ganzen Winter über, (als die Pflanzen sich in ihrer Ruhephase befanden), hat es nicht, oder nur kaum gefroren. Und dann haben die Pflanzen, gerade wenn sie aus der Ruhephase kommen, es ganz schön schwer. Aufgrund einer besonders ungünstigen Konstellation von sehr trockenem Wind, greller Sonne und Nachtfrost hatten viele Pflanzen stark zu leiden. Diese Wetterbedingungen in diesem Stadium der Pflanzenentwicklung sind viel schlimmer als 36 ° C im Hochsommer. Ich weiß selber nicht, ob ich es Frostschäden oder einfach nur Verbrennungen nennen soll, aber es handelt sich auf jeden Fall um eine Kombination von beiden. Man sieht es zurzeit an vielen Stellen in Neubausiedlungen (in denen es viele neue Hecken gibt). Manchmal ist nur ein paar Pflanzen betroffen, in anderen Fällen die gesamte Hecke. Je besser geschützt sie stehen, desto weniger sind sie in der Regel betroffen. Diejenigen, die bereits im Februar und März richtig gewässert haben (wir wissen dies jetzt aus vielen Gesprächen und Besuchen der Betroffenen.), werden weniger Schaden haben, aber auch hier wird es trotzdem einige Schäden geben weil die Situation einfach zu extrem war und noch immer ist. Die Pflanzen können dies sogar in einem feuchten Böden nicht vollständig ausgleichen, da die Verbindung zum Boden noch zu begrenzt ist (bei kürzlich gepflanzten Pflanzen).

Insbesondere ein Teil der Taxuspflanzen, die im vergangenen Herbst oder noch schlimmer in diesem Frühjahr gepflanzt worden sind, weisen Schäden auf. Ich weiß nicht, ob auch Fälle dieser ‚Aprilschäden‘ bei Taxuspflanzen bekannt sind, die bereits vor noch längerer Zeit gepflanzt wurden (dann vernehme ich dies gerne nachstehend in den Kommentaren).

Erkennen dieses Phänomens

  • Siehe Beispielfotos.
  • Die Sonnen- und/oder Windseite ist manchmal schlimmer befallen.
  • Es betrifft vor Allem die Außenseite der Pflanze. Es beginnt mit weißgelben oder halb weißgelben und gelben Nadeln, meistens an den Spitzen der Zweige. Der Befall kommt daher nicht von innen heraus, gelbe Nadeln von innen heraus deuten nämlich auf ein anderes Phänomen hin, das übrigens auch in Kürze wieder einsetzt. Fragen Sie gerne in den Kommentaren unten anhand eines Fotos, ob Ihre Hecke auch von diesem Phänomen betroffen ist (wenn es bereits im Januar oder Februar begonnen hat, ist dies sicherlich nicht der Fall).
  • Die Verfärbung ist häufig an einer Seite schlimmer als an der anderen, aber das ist nicht immer so.
  • Ein wichtiges Wahrzeichen. Es begann ziemlich plötzlich, irgendwann zwischen Ende März und dem 20. April 2020. Aber soweit wir das beurteilen können, besonders im April.

Lebt meine Eibe noch, bzw. ist sie noch zu retten?

So können Sie erkennen, ob Ihre Hecke noch zu retten ist.

  • Der bekannteste Trick, der aber leider nicht immer ausschlaggebend ist, ist das Abkratzen der Rinde mit den Fingernägeln. Wenn die Pflanze unter der Rinde noch frisch-grün ist, dann lebt sie noch und gibt es noch Hoffnung.
  • Eibe KeimwürzelnFür das in diesem Artikel beschriebene Phänomen ist diese zweite Methode jedoch die beste Methode, um herauszufinden, ob die Pflanze noch zu retten ist. Graben Sie unmittelbar neben oder an dem Wurzelballen vorsichtig ein Stückchen im Boden. Wenn Sie sehen, dass der Taxus noch frische weiße Wurzelfasern produziert (siehe Foto), lebt die Pflanze noch und ist dabei sich zu erholen und zu wachsen und die sie arbeitet an einer verbesserten Wasser- und Nährstoffaufnahme.
  • Neue, frische Triebe an der Pflanze (auch wenn diese eventuell erfroren oder verschrumpelt sind) deuten darauf hin, dass die Pflanze auf jeden Fall kurz vor der Verfärbung noch gesund war. Das beweist mehr oder weniger, dass es sich um dieses Phänomen handelt. Aber in großen Teilen Deutschlands sind diese Schäden leider kurz vor der Triebbildung aufgetreten, und das erschwert die Diagnose. In diesem Fall ist es daher nicht zwangsläufig besorgniserregend, wenn man keine neuen Triebe finden kann.

Was empfehlen wir?

  1. Wenn es sich um buschige Pflanzen mit überhängenden Zweigen handelt, empfehlen wir die Hecke leicht zu beschneiden. Schneiden Sie ca. 5 cm an beiden Seiten der Hecke weg.
  2. Wenn es sich nicht um buschige Pflanzen handelt, oder wenn die Pflanzen im Herbst beschnitten worden sind, geht das nicht. Wenn Sie sich die Mühe machen wollen, können Sie in diesem Fall die befallenen weiß-gelben oder hellbraunen Nadeln aus der Pflanze schneiden. Das kann jedoch viel Arbeit sein…
  3. Solange das Wetter sehr trocken bleibt (ein einzelner Schauer ändert daran gar nichts), müssen Sie 1 Mal pro Woche (nicht öfter!) folgendermaßen bewässern:
    2 x 30 Sekunden pro Pflanze mit dem Gartenschlauch bei vollständig geöffnetem Wasserhahn gießen. Mit 2 x 30 Sekunden meinen wir: 1 x rechts entlang der Hecke laufend jede Pflanze 30 Sekunden lang gießen, anschließend 1 x auf der anderen Seite zurücklaufend noch einmal 30 Sekunden pro Pflanze gießen (wenn das nicht möglich ist, an derselben Seite zurücklaufen). Eine allgemeine Gießanleitung finden Sie hier.
  4. Solange das Wetter so bleibt, sollte man zwei mal in der Woche nur das grün der Pflanze von allen Seiten ein wenig anfeuchten.
  5. Heckenkraft-Extra hilft der Pflanze bei der Entwicklung neuer Wurzeltriebe, die eine schnelle Erholung fördern. Man kann ohne Weiteres eine viertelvolle Gießkanne (siehe Verpackung) für eine oder zwei schwer befallene Pflanzen gießen. Für Pflanzen, die bereits im letzten Herbst gepflanzt wurden, würde ich zusätzlich zu HK-Extra auch HK-1 geben, dies sorgt für neues Wachstum und Austrieb. Ich würde dieses HK-1 einige Stunden oder einen Tag später als HK-Extra geben. Dann kann der HK-Extra schon etwas in den Boden ziehen. Diese Heckenkraft-Behandlung kann helfen, aber Punkt 3 ist wichtiger.

Die überwiegende Mehrheit der Pflanzen kann auf diese Weise am Leben erhalten werden und erholt sich auch vollständig. Dies kann leider eine Weile dauern.

Kein Wundermittel

Heckenkraft ist kein Wundermittel. Es hilft nur bei der Nährstoffaufnahme und fördert die Bildung neuer Wurzeln. Punkt 3 unserer Empfehlungen ist wichtiger als die Behandlung mit HK-Extra. Außerdem wird die Wirkung von HK-Extra bei einem ausgetrockneten Boden nicht lange anhalten…

Etwas Positives über halbtot aussehende Taxuspflanzen

Eine Eibe kann schlecht aussehen, aber dennoch leben und sich auch wieder komplett erholen. Wenn viele Nadeln verbrannt oder verfroren sind, sieht es schnell viel schlimmer aus, als es wirklich ist. Wenn es sich wirklich um dieses ´April 2020-Phänomen´ handelt, wird die Pflanze sich letztendlich erholen (vorausgesetzt die Bodenbeschaffenheit ist gut genug und es wird vorschriftsmäßig gegossen). Es kann jedoch eine ganze Weile dauern, wie lange, wissen wir leider auch nicht.

Bin ich unabhängig, da ich auch selber HK-Extra verkaufe?

Nein, selbstverständlich kann ich mich nicht als unabhängig bezeichnen und ich habe ein gewisses Interesse. Aber ich habe diesen Artikel sozusagen viel mehr mit meinem ‚Heckenfreunde‘-Herz als mit meinem ‚so macht Düngen Spaß‘-Herz geschrieben. Ich sehe diese Schäden jetzt überall und hören Sie die gleiche Geschichte von anderen Baumschulfreunden,  und erachte es daher für einen sinnvollen Artikel. Ich hatte hinsichtlich der Empfehlungen stark an Punkt 5 gezweifelt, gerade um die Unabhängigkeit dieses Artikels nicht zu gefährden. Andererseits weiß ich, dass es ein bisschen helfen kann. Und was noch wichtiger ist, ich weiß, dass Menschen gerne etwas unternehmen möchten, statt nur abzuwarten. Die Behandlung mit HK-Extra ist zumindest eine Maßnahme, die nicht schaden kann, im Gegensatz zu beispielsweise Kunstdünger oder Bittersalz streuen, was so gut wie sicher zu Verschlimmerung der Verbrennungen führt. In dieser Hinsicht beugt das Mittel daher wahrscheinlicher verrückteren und schädlichen Maßnahmen vor.

Fragen

Wenn Sie Fragen zu Ihrer eigenen Situation haben, können Sie diese gerne stellen. Bitte tun Sie dies jedoch unten in den Kommentaren.

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Roland
Gast
Roland

Hallo,
vielen Dank für die präzise und dazu noch schnelle Antwort. Werde mich an die Empfehlung halten und nach gegebener Zeit wieder melden.
Das war super
Roland

roland
Gast
roland

Hallo,
habe meine Eibenhecke Mitte März gepflanzt, wobei die im Artikel beschriebene Schäden ebenfalls aufgetreten sind. Da die Hecke 2,80 m hoch gepflanzt wurde, stellen sich mir die Fragen:
Reicht 1x wöchentliches gießen bei trockenem Wetter angesicht der Höhe d. Pflanzen (2,80m) auch aus?
Wie lautet die Goeßempfehlung beii „normalem“ Wetter?

Vielen Dank

Roland

Stephanie Frowein
Gast
Stephanie Frowein

Guten Tag,
Vielen Dank für Ihren Artikel. Nach langem überlegen und suchen nach der Ursache, bin ich mir nun fast sicher, dass auch unsere Pflanzen unter genau diesem Phänomen leiden. Richtig, oder? Unsere Hecke wurde Anfang April gepflanzt. Es hat einige Pflanzen heftig erwischt, vor allem oben. Zum Glück nicht alle. Einige treiben sogar aus.
Ich bin mir unsicher was einen Schnitt angeht. Sollen wir die braunen Äste zurückschneiden? Uns wurde gesagt, wir sollen erst im Herbst schneiden, damit die Pflanzen sich erstmal auf die Wurzeln konzentrieren. Das war allerdings bevor alles braun / gelb wurde. Was passiert ansonsten mit den verbrannten Ästen / Nadeln? Fallen die ab? Oder werden die irgendwann wieder grün?!
Ich freue mich über Rückmeldung und ihren Rat.

Viele Grüße
Stephanie Frowein

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Yves
Gast
Yves

Hallo,
Habe anfangs April eine Lieferung Eiben ca. 120 Stück (80-100cm, Wurzelballen) aus den Niederlanden bekommen. Diese wurden eingepflanzt und regelmässig gewässert. Nach 2 Wochen bekamen die ersten Hecke gelbe Zweige. Die Zweige werden von aussen nach innen gelb. Nicht jede Hecke ist betroffen. Handelt es sich um das von Ihnen beschriebenes „Phänomen“? Sind die Hecken noch zuretten? Laut ihrem Artikel sollen die Zweige beschnitten werden. Welche Empfehlungen haben Sie noch?

Danke

MfG

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