Ist das Anpflanzen einer Thujahecke ein Umweltverbrechen?

Ist es ökologisch unverantwortlich, eine Hecke aus einer nicht heimischen Art zu pflanzen?

 

Aus welchem Anlass schreibe ich diesen Artikel?

Vor kurzem habe ich auf Facebook ein Inserat eingestellt. Auf dem dazugehörigen Bild war eine Thujahecke zu sehen. Die Thuja ist eine nicht heimische Heckenpflanze. In dem Inserat selbst ging es übrigens überhaupt nicht um Thujas. Daraufhin bekam ich folgende Reaktionen:

– Das soll eine Hecke sein? Tragisch. Ökoverbrechen. Ich schlage Buche vor.
Als echter Heckenfreund pflanzt man vogelfreundliche Gehölze und nicht diesen billig aussehenden Thuja- Kirschlorbeer-Kram. Dann hat man auch keine Probleme mit gelben Nadeln.

Und vergleichbar ziemlich fanatische Reaktionen, wegen nicht heimische Heckenplanzen, habe ich schon öfter erhalten. Niemand findet es toll, wenn er negative Reaktionen erntet, aber das muss auf jeden Fall möglich sein. In diesem Fall betraf es ein Foto von der Hecke einer guten Kundin von mir, die gleichzeitig mit mir auf Facebook befreundet und stolz auf ihre neue Hecke ist. Solche Reaktionen sind dann nicht gerade ideal. Aber gut, ich dachte, ich mache daraus etwas Positives und schreibe selbst einen Blogbeitrag dazu (den Sie jetzt lesen), in dem es buchstäblich um dieses „Ökoverbrechen“ durch die Verwendung nicht endemischer Pflanzen geht. Für die grünen Fanatiker, lesen Sie diesen Beitrag bitte bis zum Schluss durch, weiter unten stimme ich Ihnen nämlich teilweise zu.

Thuja ist nicht heimisch und deshalb schlecht …

Aus einem der obenstehenden Kommentare lässt sich herauslesen, dass Thujas nicht vogelfreundlich sein sollen. Dieses Frühjahr hat mein Bruder in seinem Gartenbaubetrieb ungefähr einen Hektar Heckenpflanzen umgepflanzt, sowohl kleine als auch mittelgroße Gewächse und darunter auch ein Teil Thujas. Ich helfe ihm viel dabei. Es ist tatsächlich so, dass ich binnen drei Wochen drei neue Vogelnester in den frisch umgepflanzten Thujas gefunden habe! Und das, ohne dass ich danach gesucht habe. Im frisch umgepflanzten Thuja Brabant befand sich ein Starennest (zumindest, wenn ich Papa und Mama Vogel richtig erkannt habe), und im neu gepflanzten Thuja Atrovirens ein Amsel- und ein Spatzennest. Das stimmt wirklich, binnen drei Wochen! Dank ihrer Art des Wachstums ist bei vielen Koniferen der Winkel zwischen den Zweigen und dem Stamm offenbar ideal, um dort ein Nest zu befestigen. Außerdem sind Koniferen immer voll mit Spinnen und anderem Geschmeiß, mit dem die Vögel sich selbst und ihre Jungen vollstopfen.

Die Lorbeerkirsche ist nicht einheimisch und deshalb schlecht …

Im Frühling zwischen April und Ende Mai blüht die Lorbeerkirsche intensiv, sofern sie nicht zu oft gestutzt wird. Die Blüten sind immer proppenvoll mit Insekten. Wenn die Blüten die Chance bekommen, sich zu Beeren zu entwickeln, werden sich die Amseln sich im August, wenn die Beeren reif sind, daran gütlich tun. Sie lassen nicht eine einzige reife Beere stehen. Zugegeben, dies geht nur, wenn die Blüten nicht abgeschnitten werden, und das geht nur, wenn es genug Platz im Garten gibt, um sie etwas wachsen zu lassen. Aber letzteres gilt ganz genauso auch für heimische Arten, die blühen und Früchte tragen.
Ein anderes wichtiges Thema ist der Wasserverbrauch. Das Bewässern des Gartens ist nicht gerade nachhaltig, insbesondere, wenn man dafür Leitungswasser verwendet. Derzeit gibt es auch so etwas wie Bewässerungsscham. Teilweise ist das auch berechtigt, aber das heben wir uns für einen weiteren Artikel auf😉. Die Lorbeerkirsche ist zufälligerweise eine der wenigen Arten von Heckenpflanzen, die problemlos durch den extremen Sommer 2018 gekommen sind. Während selbst ausgewachsene Eichen auf der Strecke geblieben sind, war an den meisten Lorbeersträuchern kaum etwas zu sehen. Was dieses Thema anbetrifft, ist die Lorbeerkirsche also auch ziemlich nachhaltig, denn die braucht kaum Wasser.

Die Buche ist heimisch und deshalb gut ….

Ich beginne gleich mal damit, dass ich Buchen mag. Von meinem Schreibtisch aus blicke ich sogar direkt auf eine Buchenhecke in meinem Vorgarten. Aber eine Buchenhecke wächst sehr schnell. Oft muss sie sogar zweimal im Jahr gestutzt werden. Und selbst wenn sie nur einmal gestutzt wird, kommt oft Mehltau rein, und bei zweimaligem Stutzen ganz gewiss. Nun ist das gar nicht so schlimm, und im Prinzip muss man nichts dagegen unternehmen. Aber viele Menschen haben damit doch Probleme und greifen nach einem Fungizid, um den Mehltau zu bekämpfen. Wie gut wäre das für die Biodiversität? Über die langfristige Auswirkung solcher Giftstoffe auf Umwelt und Insekten ist noch kaum etwas bekannt. Buchen stehen jedoch im Hinblick auf die Klimabeständigkeit ganz oben auf unserer Liste.

Was ist in unseren Gärten denn noch einheimisch?

Wie viel Prozent der Pflanzen, die man im Gartencenter kaufen kann, ist noch wirklich endemisch? Und das, was tatsächlich endemisch ist, ist so hybridisiert, das von diesem Einheimischen nur noch wenig übriggeblieben ist. Nehmen wir zum Beispiel die Rose. Die ist im Prinzip eine einheimische Blume. Aber diejenigen, die wir hauptsächlich in unseren Gärten stehen haben, kann man schon lange nicht mehr als einheimisch bezeichnen. Es lassen sich kaum Insekten auf ihnen nieder, und sie werden mit Gift blau gespritzt, damit sie schön bleiben. Ich kann mich an sich wirklich darüber ärgern, aber jetzt jemanden als Ökoverbrecher zu bezeichnen, der Rosensträucher in seinem oder ihren Garten hat, scheint mir nicht sonderlich sinnvoll zu sein. Wenn Sie das tun, wird Ihr Freundeskreis schon ziemlich klein, und so sie kriegen gar nichts mehr gebacken.

Einheimisch ist gut, nicht heimisch schlecht …

Ich will mit all dem Obenstehenden nur sagen, dass die Überschrift dieses Abschnitts viel zu kurz greift. Nicht heimische Heckenpflanzen haben manchmal auch Vorteile. Manche nicht heimischen Pflanzen sind sogar eine Art Rettung für die Insekten. Und bei bestimmten einheimischen Pflanzen kommen wiederum einige negative Aspekte im Hinblick auf die Umwelt zum Tragen. Ich will hiermit nur die allzu simple Sicht auf diese Sache relativieren. Das ist etwas völlig Anderes als Werbung für nicht heimische Arten, das tue ich in diesem Artikel nämlich nicht.

Mein Aussicht auf eine Buchehecke wenn ich schreibe.Auch ich sehe lieber Buchen, Eibe, Rotdorn usw.

Tief in meinem Herzen sehe ich auch lieber Hecken aus Buchen, Eibe, Rotdorn und Feuerdorn. Mein eigener Garten ist buchstäblich voll davon, neben vielen anderen insekten- und vogelfreundlichen Pflanzen. Sicherlich sind einheimische Heckenpflanzen alles in allem besser für die Umwelt als nicht endemische Heckenpflanzen. Aber jetzt Menschen als Ökoverbrecher zu bezeichnen, die eine Thujahecke um ihren Garten haben, das ist doch ziemlich albern. Erstens ist dann halb Deutschland ein Ökoverbrecher, und zweitens freuen sich die Vögel immer noch viel mehr über eine Thujahecke als über einen Zaun. Wie nennt man dann eigentlich jemandem mit einem Holzzaun (der jeder 5te Jahr mit Steinkohlenteer gestrichen wird)?

Ich gebe gerne zu, dass Thujas für die Biodiversität nicht die beste Wahl sind

Sicherlich sind Thujas nicht die beste Wahl, wenn man an die Biodiversität denkt. Auch nicht, wenn man den Wasserverbrauch betrachtet, sie brauchen ziemlich viel Wasser. Und es wachsen keine für unsere Vögel fressbaren Früchte daran. Ich möchte hiermit gerne jedem empfehlen, der sich eine neue Hecke zulegen will, auch darüber nachzudenken. Aber es gibt nun einmal noch mehr Faktoren, die eine Rolle spielen. Nehmen wir einmal an, dass jemand aus Zeitmangel oder wegen körperlicher Probleme keine Pflanzen nehmen will, die gestutzt werden müssen, aber trotzdem eine lebendige immergrüne Abtrennung haben will. Der landet dann schnell beim Thuja Smaragd, denn praktisch alle anderen (einheimischen) Optionen müssen regelmäßig beschneiden werden. Der Thuja Smaragd ist tatsächlich nicht die ökologisch verantwortungsvollste Wahl, dem stimme ich zu. Aber ist ein Holzzaun dann etwa besser? In den Thujas werden garantiert Vögel nisten, im Zaun wäre das schwierig….

Besitzer von Thujahecken sind keine Ökoverbrecher

Ich wäre doch verrückt, wenn ich meine Kunden als Ökoverbrecher beschimpfen würde. Ganz objektiv bin ich in dieser Hinsicht also klar nicht. Aber abgesehen davon ist dann doch fast jeder auf seine oder ihre Art ein Ökoverbrecher, oder etwa nicht? Aber noch viel wichtiger ist, dass dies meiner Ansicht nach auch die falsche Vorgehensweise ist, wenn man grüne Ziele erreichen will, wie ich im Folgenden noch erklären werde.

Bigger fish to fry

Die Lobby von großen Unternehmen wie Monsanto (Bayer), die Autoindustrie und andere Industriezweige sorgen dafür, dass:

  • Krebserregende Stoffe wie Glyphosat noch fünf Jahre länger in der EU verwendet werden dürfen.
  • Die Regeln für die Zulassung neuer Herbizide, Pestizide, Fungizide und anderer chemischer Stoffe lächerlich sind, was die langfristigen Folgen für Umwelt und Tier anbetrifft.
  • Es unter anderem dadurch 70 % weniger Insekten gibt als noch vor 40 Jahren.
  • Jedes Jahr tausende Menschen in Deutschland an den Folgen von Stickstoff und Feinstaub in der Luft sterben.
  • Die Ozeane jetzt zurecht als „Plastiksuppe“ bezeichnet werden dürfen.
  • Das Leben in den Ozeanen innerhalb von 50 Jahren um die Hälfte geschrumpft ist.

Und so könnten wir noch eine Weile fortfahren. Natürlich ist die Existenz von großen „Verbrechen“ kein gutes Argument dafür, dass man nichts gegen kleine „Verbrechen“ sagen darf. Aber wenn Sie jemanden mit einer Koniferenhecke als Ökoverbrecher beschimpfen, erreichen Sie Ihr Ziel nicht, würde ich sagen. Sie schaffen damit nur eine Kluft zwischen Menschen, die sich sehr bewusst damit befassen, auf der einen Seite und Menschen, die sich keiner Schuld bewusst sind, auf der anderen. Ich versuche, mit diesem Artikel irgendwie beide Seiten zu erreichen.

Vielleicht schaffen Sie es auf folgende Art, mehr Menschen auf die „grüne Seite“ zu ziehen

Ihr Nachbar hat eine neue Thujahecke. Statt ihn als Ökoverbrecher zu beschimpfen, machen Sie ihm ein Kompliment für seine schöne neue Hecke. Dann kommen Sie mit ihm ins Gespräch (statt böse Blicke zu ernten). Sie erzählen ihm dann zum Beispiel, dass Koniferenhecken nicht so schnell Schädlingen zum Opfer fallen, wenn man in der Nähe der Hecke einen Streifen mit Wildblumen aussät. Machen Sie ihm beiläufig klar, dass er so für nicht einmal 4 Euro etwas tun kann, was seine Hecke schützt und der Natur auch eine Freude macht. Wenn Sie danach noch 15-20 Jahre solche Gespräche mit Ihrem Nachbarn führen können, werden Sie sehen, dass die nächste Hecke eine Taxus- oder Buchenhecke wird😉.

Nebenbei bemerkt: Was ich neben diesen erzähle ist übrigens kein fantasievolles Ökogefasel, das funktioniert wirklich so. Wenn man mehr Blumen im Garten hat, die Insekten anlocken, kommen auch mehr Insektenarten. Für jeden Schädling (wie zum Beispiel Läuse oder Dickmaulrüssler) ist dann auch schnell ein natürlicher Feind vor Ort. Dieses Gleichgewicht sorgt dafür, dass eine Hecke nicht so schnell Schädlingen zum Opfer fällt. In der Taxushecke (siehe Foto) rund um meinen Hintergarten habe ich oft genug einen Dickmaulrüssler gefunden, aber weil es auch viele Vögel und Laufkäfer in meinem Garten gibt (Feinde des Dickmaulrüsslers), sieht meine Hecke immer supergesund aus. Wenn man in einer Baumschule mit einer blau gesprühten Monokultur einen Dickmaulrüssler sieht, sieht man das meist direkt auch den Pflanzen an, und das nicht im positiven Sinne. Dort kaufen wir dann auf jeden Fall kein neues Pflanzgut ein …

Eiben-Hecke des Autors, mit viel Biodiversität davor.Reagieren

Natürlich dürfen Sie gerne ein Kommentar hierzu verfassen wenn Sie bitte die Netikette beachten. Ich bin nämlich wirklich gespannt darauf, was Sie von all dem halten.

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