Dickmaulrüssler (-larven) mit Nematoden bekämpfen – wie, wann und mit welcher Nematodenart?

Eibe Dickmaulrüssler

Dickmaulrüssler mit Nematoden zu bekämpfen ist eine bewährte Methode, aber von Privatleuten durchgeführt erweist sich das meist als hinausgeworfenes Geld

Einleitung

Die beste Methode zur Bekämpfung von der Dickmaulrüssler ist mit Nematoden. Trotzdem höre ich selten (von Privatkunden), dass sie erfolgreich gewesen sind. Sehr oft zeigt sich also, dass das Geld zum Fenster hinausgeworfen wurde, und das in neun von zehn Fällen, wie ich denke! Das hat folgende Gründe:

  • Die Behandlung wurde zum falschen Zeitpunkt durchgeführt
  • Die Behandlung wurde auf die falsche Art durchgeführt
  • Die Nematoden dürfen möglichst kein Licht abbekommen
  • Es wurde die falsche Nematodenart verwendet
  • Die Erholung der Wurzeln wurde nicht unterstützt
  • Die Pflanzen haben dank falscher Bewässerung keine Abwehrkräfte

Die Fehler werde ich alle im Folgenden behandeln.

Wann sollte ich Dickmaulrüssler (bzw. deren Larven) mit Nematoden behandeln?

In den vergangenen Wochen (Anfang November 2020) haben wir erneut ganz kleine Dickmaulrüsslerlarven in Eibenhecken gefunden. Mit anderen Worten, das sind die frischgeborenen Larven des zweiten Geleges! Genauso wie in den vergangenen Jahren hatten wir bereits Fraßschäden von Dickmaulrüsslern entdeckt (mehr oder weniger den ganzen Sommer durch), aber die frisch geschlüpften, 3-4 mm kleinen Larven des zweiten Geleges haben wir erst Ende Oktober gesichtet. Der Dickmaulrüssler legt die Eier des zweiten Geleges somit viel später ab, als es früher normal war, Trockenheit und Hitze fördern dieses Verhalten offenbar. Das ist jetzt schon seit mehreren Jahren hintereinander der Fall. Das bedeutet allerdings auch, dass die zweite Behandlung mit Nematoden später durchgeführt werden muss, nämlich erst jetzt, Anfang November.

Fazit, wann jetzt Nematoden einsetzen?

Kurzgesagt arbeiten Sie dann am effektivsten, wenn Sie die Nematoden gegen der Dickmaulrüssler bzw. die Dickmaulrüsslerlarven zuerst im April und dann erst wieder Frühestens Ende Oktober oder Anfang November einsetzen. So ist die Aussicht am größten, dass Sie beide Phasen abdecken, in denen die Larven aus den Eiern schlüpfen. Mitten im Sommer Nematoden einzusetzen ist derzeit größtenteils hinausgeworfenes Geld, weil die zweite Eiablage zu dem Zeitpunkt noch aussteht und die ersten Nematoden dann, wenn die Larven schließlich schlüpfen, bereits angefangen haben, sich zu verpuppen, um sich in Käfer zu verwandeln. Während der Verpuppung interessieren sich die Nematoden nicht für die Tierchen

Wetterbedingungen und Bodenfeuchtigkeit sind für die Effektivität der Nematoden sehr wichtig

Die Wahl des Zeitpunkts hängt von Umständen wie etwa Feuchtigkeit und Bodentemperatur ab (zur Bodentemperatur im Folgenden mehr Infos). Genug Feuchtigkeit ist wesentlich. Wenn der Boden zu trocken ist, können sich die Nematoden nicht im Boden ausbreiten, sodass sie die Larven des Dickmaulrüsslers nicht erreichen. Der Boden muss also bis in die Tiefe feucht sein, entweder durch kräftige Regenschauer (die selten ausreichen) oder indem Sie zuerst selbst ordentlich wässern. Wenn Sie das nicht berücksichtigen, ist auch hier der Einsatz von Nematoden gegen der Dickmaulrüssler hinausgeworfenes Geld …

Wie sorgen Sie dafür, dass die Nematoden für Eiben und andere Koniferen tief genug in den Boden kommen?

Die Anwendung unter großen Koniferen und Eiben ist eh schon sehr schwierig, weil die Wurzelballen trocken sein und die Wurzeln tief in die Erde reichen können. Sorgen Sie deshalb dafür, dass der Boden nass ist. Und nässen Sie ihn gleich auf einmal richtig. Geben Sie ihm also nicht öfter mal ein bisschen Wasser, sondern wässern Sie ihn einmal ganz kräftig. Zum Beispiel am Tag vor der Behandlung mit Nematoden.
Aber selbst mit einem feuchten Boden ist es praktisch unmöglich, die Nematoden rein durch das Angießen mit einer Gießkanne tief genug in den Boden zu befördern. Normales Angießen reicht also nicht aus. Baumzüchter verwenden dafür spezielle Injektionsmaschinen, aber soweit ich weiß, sind diese für Privatmenschen nicht erhältlich. Mein Rat ist, mit einer Grabegabel tiefe Löcher in den Boden zu stechen. Am besten viele unterschiedlich tiefe Löcher, die zwischen 10 und 25 cm tief in den Boden reichen, und wenn möglich sogar noch tiefer. Stechen Sie zwischendurch neue Löcher, wenn Sie den Eindruck haben, dass sich die Löcher wieder schließen. Das alles zusammen ist eine ganze Menge Aufwand. Aber wenn Sie nur mit der Gießkanne angießen, ist die Wirkung minimal, und das Geld ist wiederum größtenteils verschwendet. Kaufen Sie außerdem lieber die doppelte Menge Nematoden, sodass Sie kräftig angießen und in allen Tiefen Nematoden einbringen können.

So wenig (Sonnen-)Licht wie möglich

Am besten bringen Sie die Nematoden an einem bewölkten Tag und möglichst früh oder spät am Tag ein. Und sorgen Sie auch dafür, dass sie so kurz wie möglich dem Licht ausgesetzt sind. Das Licht lässt die Nematoden nämlich sehr schnell absterben.

Welche Art von Nematoden gegen Dickmaulrüssler verwenden?

Dafür ist die Bodentemperatur entscheidend. Im Spätsommer und im Frühherbst (wenn der Boden ziemlich warm ist) setzen Sie am besten die Sorte „Heterorhabditis bacteriophora“ ein. Wenn die Bodentemperatur auf 12 Grad sinkt, ist eine Mischung aus „Heterorhabditis bacteriophora“ und „Steinernema feltiae“ besser. Wenn die Bodentemperatur auf unter 8 Grad sinkt, eignet sich die „Heterorhabditis downes“ am besten. Diese Nematodenart kann ihre Arbeit bis sehr spät im Jahr tun (oder sehr früh im Jahr).
Bei sehr niedrigen Bodentemperaturen lässt die Wirkung der Nematoden vorübergehend nach, da sie dann weniger aktiv sind. Sie können allerdings durchaus im Boden überleben (die Kälte-unempfindliche Arten wenigstens). Wenn die Bodentemperatur dann im Frühling steigt und viel Regen fällt, werden die Dickmaulrüsslerlarven dann möglicherweise doch noch von den Nematoden aus der Herbstanwendung vernichtet.

Das Wachstum neuer Wurzeln stimulieren

Wenn Sie die Nematoden auf die richtige Art gegen der Dickmaulrüssler einsetzen, können Sie damit eine Dickmaulrüsslerplage in den Griff bekommen. Aber bis sich die Wurzeln (und damit die Pflanze) erholen, kann es leider sehr lange dauern, insbesondere, wenn der Boden nicht gerade der beste ist. Oft wurde schon alles Mögliche ausprobiert, Kunstdünger, Magnesiumsulfat (Bittersalz) oder sogar Gift, wodurch der Boden ziemlich erledigt ist. Und in vielen Neubauvierteln ist der Boden leider schon von vornherein schlecht. In so einem Boden entwickeln sich keine neuen Wurzeln oder nur wenige. Es kann dann immer noch passieren, dass die Pflanze abstirbt oder sich im günstigsten Fall nur sehr langsam erholt, auch wenn die meisten Dickmaulrüsslerlarven weg sind.

Wie regen Sie das Wachstum neuer Wurzeln an?

Mit Heckenkraft-Extra regen Sie das Wachstum neuer Wurzeln an. Das funktioniert wirklich richtig gut. Eine Gießkanne Heckenkraft-Extra-Lösung (siehe Verpackung) darf auf maximal fünf Meter Taxushecke verteilt werden (das entspricht fünfzehn Metern Hecke pro Packung, denn mit einer Packung können Sie drei Gießkannen füllen). Eiben darf man das Präparat auch getrost noch im Winter geben (im Gegensatz zu dem, was auf der Verpackung steht), damit kann nichts schiefgehen. Diese Einschränkung (dass es nur von März bis Oktober verabreicht werden soll) bezieht sich tatsächlich nur auf sehr frostempfindliche Arten. Und weil es jetzt (während dieses Schreibens) doch Winter ist, würde ich nach der Behandlung mit Heckenkraft-Extra auch immer noch HK-4 streuen. Auch das sorgt auf verschiedene Arten dafür, dass sich das Bodenleben nach dem Winter besser entwickeln kann, wodurch die Pflanze ab dem Frühling besser Wurzeln ausbilden kann. Obendrein enthält HK-4 Lavamehl, was den Käfern nicht sonderlich schmeckt.
Sehen Sie sich hier an, wie wir vor kurzem eine Taxushecke mit Heckenkraft „gerettet“ haben (auch wenn hier nicht von einer Dickmaulrüsslerplage die Rede war), und lesen Sie hier nach, wie unserer Ansicht nach allgemein eine geschwächte Pflanzenhecke am besten unterstützt werden kann.

Sorgen Sie dafür, dass die Pflanzen tiefere Wurzeln bilden, indem Sie sie seltener wässern, und senken Sie damit ihre Anfälligkeit für Dickmaulrüssler und Engerlinge

Mir ist aufgefallen, dass Eibenhecken, die sehr regelmäßig gegossen werden, oft alle möglichen Probleme entwickeln (wie zum Beispiel Kahlheit und Durchsichtigkeit, und/oder auch Schäden durch Engerlinge oder Dickmaulrüssler). Nur der Deutlichkeit halber, ich spreche hier nicht von zu viel Wasser, wie zum Beispiel bei Staunässe. Dass das nicht gut ist, weiß jeder. Was ich meine, ist etwas subtiler. Ich spreche davon, dass einfach zu häufig gewässert wird, ohne dass Staunässe entsteht. Ich sah das noch im Frühling, als ich jemanden in Bochum besuchte, weil er Probleme mit seiner Taxushecke hatte. Als ich bei ihm vorfuhr, sah ich eine sehr schöne Eibenhecke in seinem Vorgarten und fragte mich, wo überhaupt das Problem lag. Die Problemhecke befand sich allerdings im Garten hinter dem Haus, die sich an einem frischgrünen Rasen entlang zog (dann weiß ich direkt schon genug …). Wie sich zeigte, wurde die Hecke im Vorgarten fast nie gegossen, weil es deutlich schwieriger war, Wasser zu ihr zu bringen. Und wenn er den Vorgarten dann einmal bewässerte, dann gleich richtig kräftig, um den Gartenschlauch nicht so bald wieder schleppen zu müssen. Die kahle Eibenhecke im Hintergarten hingegen wurde jede Woche gegossen.

Häufig zu gießen ist aus verschiedenen Gründen nicht gut für eine Taxushecke (zum Beispiel, weil Nährstoffe aus dem Boden gespült werden), aber ich möchte mich hier auf einen beschränken, um beim Thema dieses Artikels zu bleiben: Das häufige Gießen erhöht nämlich auch die Anfälligkeit für die Larven des Dickmaulrüsslers.
Eine Eibenhecke, die jede Woche (oder noch häufiger) Wasser bekommt, bildet keine tiefen Wurzeln aus. Schon gar nicht, wenn sie jedes Mal nur ein bisschen Wasser bekommt. Tatsächlich erhalten Sie dann eine dünne Bodenoberschicht von ca. 10-15 cm Tiefe, in der sich die gesamten Wurzeln des Taxus befinden! Wenn eine Dickmaulrüsslerlarve auch nur eine einzige Wurzel findet, findet sie auch ganz leicht alle anderen Wurzeln, denn die befinden sich ja gleich daneben. Wenn die Pflanze allerdings dazu gezwungen ist, nach Wasser zu suchen, entwickelt sie auch viel tiefere Wurzeln mit breiter Verzweigung. Und diese tiefen und weit verzweigten Wurzeln alle zu finden und anzufressen ist deutlich schwieriger, dafür braucht es viel mehr Larven.

Nebenbei bemerkt: Ein Irrigationsschlauch, Tropfschlauch oder Perlschlauch ist meiner Ansicht nach für Eiben (und andere einheimische Heckenpflanzen) nicht zu empfehlen.

Wie viel Wasser muss man jetzt geben?

Ich will hier nicht zu ausführlich darauf eingehen, das Thema „Bewässerung“ verdient nämlich seinen eigenen Artikel. Aber um Ihnen doch kurz eine Vorstellung zu geben (und ich kann mich einfach nicht zurückhalten und rede doch immer weiter 😉). Ich sage meinen Kunden stets, dass (bei einheimischen Heckenpflanzen wie Taxus) die beste Art zu wässern folgende ist: Immer erst dann wieder wässern, wenn es fast zu spät ist, aber dann richtig viel Wasser geben, sodass es bis tief in den Boden eindringt. Bei einer frisch gepflanzten Hecke sind die Abstände dazwischen natürlich viel kürzer als bei einer Hecke, die schon seit einem Jahr oder noch länger steht. Dies ist natürlich etwas pauschal ausgedrückt, etwas früher als „wenn es fast zu spät ist“, ist noch besser, aber ich hoffe, dass Sie verstehen, was ich meine. Die Taxuswurzeln müssen dazu gezwungen werden, dem Wasser nachzugehen, in die Tiefe, wo der Boden zuletzt austrocknet. Dafür muss es die meiste Zeit tiefer im Boden feuchter sein als in den oberen Bodenschichten. Das erreicht man nur, indem man seltener wässert, dann aber richtig kräftig. Wenn Sie öfters eine kleine Portion Wasser geben, erreichen Sie genau das Gegenteil.

Trockenperioden sind (aus evolutionärer Sicht) für die Eibe normal

Die Eibe ist eine einheimische Art und deshalb schon seit tausenden von Jahren auch an trockenere Zeiten gewöhnt. Jede Woche gegossen zu werden ist für den Taxus (ebenso wie für die Buche und die Eiche) überhaupt nicht gut. Diese absurd häufige Bewässerung ist nur für zwei Dinge gut: Für den Dickmaulrüssler und für die Händler von Nematoden und Wurzelstimulatoren😉.
Nun ist es in den letzten Jahren ziemlich trocken geworden, das streite ich nicht ab, also muss man schon ab und zu einmal kräftig wässern, häufiger als noch vor zwanzig Jahren. Aber eine Eibe, die immer auf meine Art gegossen wurde (und deshalb ein tiefes Wurzelgeflecht entwickelt hat), braucht auch in den heutigen Sommern höchstens vielleicht dreimal bewässert zu werden. Aber aufgepasst, ein solches Wurzelgeflecht aufzubauen braucht Zeit, Sie können den Bewässerungsrhythmus also nicht von einem auf den anderen Tag von zweimal pro Woche auf einmal pro Monat umstellen. Das muss langsam reduziert werden!

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